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2 Replies

  1. Vorbildlich, dass hier regelmaessig soviel geschrieben wird.

  2. Nicole Dez 9th 2013

    Und sie erzählte mir von einem Jüngling, der in einen Stern
    verliebt war. Am Meer stand er, streckte die Hände aus
    und betete den Stern an, er träumte von ihm und richtete
    seine Gedanken an ihn. Aber er wußte, oder meinte zu
    wissen, daß ein Stern nicht von einem Menschen umarmt
    werden könne. Er hielt es für sein Schicksal, ohne
    Hoffnung auf Erfüllung ein Gestirn zu lieben, und er baute
    aus diesem Gedanken eine ganze Lebensdichtung von
    Verzicht und stummem, treuem Leiden, das ihn bessern
    und läutern sollte. Seine Träume gingen aber alle auf den
    Stern. Einmal stand er wieder bei Nacht am Meere, auf
    der hohen Klippe, und blickte in den Stern und brannte vor
    Liebe zu ihm. Und in einem Augenblick größter Sehnsucht
    tat er den Sprung und stürzte sich ins Leere, dem Stern
    entgegen. Aber im Augenblick des Springens noch dachte
    er blitzschnell: es ist ja doch unmöglich! Da lag er unten
    am Strand und war zerschmettert. Er verstand nicht zu
    lieben. Hätte er im Augenblick, wo er sprang, die
    Seelenkraft gehabt, fest und sicher an die Erfüllung zu
    glauben, er wäre nach oben geflogen und mit dem Stern
    vereinigt worden.

    – aus „Demian“ (H. Hesse) –